Auf der Bühne befinden sich zwei Laufbänder, zwei Männer in Klettergurten und in der Mitte ein Spiegel, der den Raum wie eine Wand teilt.
Mit wenigen Mitteln erzählt der argentinische Regisseur Mariano Pensotti in Ein gefräßiger Schatten die Geschichte eines Bergsteigers, der am Ende seiner Karriere beschließt, dieselbe Expedition zum Gipfel des Annapurna in Nepal zu unternehmen, bei der sein Vater dreißig Jahre zuvor sein Leben verloren hatte. Auf der anderen Seite der Mauer bereitet sich ein älterer Schauspieler darauf vor, den Bergsteiger in einer Verfilmung dieses Abenteuers zu verkörpern, während er selbst mit seiner Vaterrolle in Konflikt gerät. Die Ebenen der Erzählung überlagern sich. Mit großem Geschick verwebt Mariano Pensotti, Gründer des argentinischen Kollektivs Grupo Marea, die Biografien zweier Männer an einem Wendepunkt ihrer Karriere zu einem fesselnden Theaterstück, das die Grenzen zwischen Realität und Fiktion auslotet. In einem Interview erklärt der Regisseur, dass seine Inspirationsquellen für Ein gefräßiger Schatten Romane aus dem 19. Jahrhundert sind, die von Autoren wie Honoré de Balzac, Stendhal und Leo Tolstoi geschrieben wurden. Der Argentinier erweist sich als Meister der Gleichzeitigkeit und der komplexen Erzählweise: Die Monologe der beiden Protagonisten antworten und überlagern sich und bilden eine fesselnde Erzählung über das Verhältnis des Menschen zur Natur und zum Klimawandel, über die Midlife-Crisis, aber auch über Vaterschaft und die Möglichkeit, sich zu ändern. Um in der Alpenwelt zu bleiben: Wie ein Gletscher, der beim Schmelzen die Leichen der Verschwundenen zum Vorschein bringt, enthüllt Mariano Pensotti Schicht um Schicht den Stoff, aus dem die Geschichten gemacht sind.
Wie kann ich kommen?