Weit entfernt vom epischen Charakter von Chopins Balladen wirkt Brahms’ Vierte Ballade wie eine sanfte Träumerei. Doch man sollte sich nicht vom ersten Eindruck täuschen: Es handelt sich um einen Dialog zwischen einer Mutter und ihrem vatermörderischen Sohn, inspiriert von einer alten schottischen Ballade namens „Edward“. Dieses Stück für Soloklavier bildet eine Klammer zwischen den beiden kraftvollen Quintetten: dem von Granados mit seinem traumhaften langsamen Satz (eine leicht maurisch anmutende Melodie und gedämpfte Streicher) und seinem Finale mit atemlosen Zigeunerrhythmen; das von Brahms, ein Höhepunkt des Genres, ein großes Epos, das vor melodischen Ideen und Kontrasten nur so strotzt. Trotz seiner sehr ausgefeilten Komposition, bei der sich die Instrumente in dichten Kontrapunkten überlagern, bleibt es von großer Anziehungskraft, getragen von seiner Poesie und seiner Energie.
Wie kann ich kommen?